TikTok Verbot in den Vereinigten Staaten – Was bedeutet das für Social Media in Deutschland?

Was ein TikTok Verbot in den USA für die deutsche Social Media Landschaft bedeuten würde

In den USA steht TikTok, die populäre Kurzvideo-Plattform, aktuell im Fokus einer hitzigen politischen Debatte über ein mögliches Verbot. Am 13. März 2024 hat das US-Repräsentantenhaus mit einer deutlichen Mehrheit für einen Gesetzesvorschlag gestimmt, der TikTok unter Druck setzt, indem es einen Eigentümerwechsel fordert, sollte die App unter der Kontrolle des chinesischen Mutterkonzerns ByteDance bleiben. Diese Entwicklung reflektiert tiefgreifende Sorgen bezüglich der Datensicherheit und dem Einfluss ausländischer Technologieunternehmen auf die nationale Sicherheit der USA.

Mit der Zustimmung des Repräsentantenhauses ist der Gesetzesvorschlag nun an den Senat weitergeleitet worden, wo die Meinungen geteilter sind. Die Unterstützung von US-Präsident Joe Biden deutet jedoch auf eine ernsthafte Bereitschaft hin, das Gesetz zu verabschieden. Dies wirft essenzielle Fragen auf: Warum steht TikTok zur Debatte? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Verbot tatsächlich umgesetzt wird? Und welche Konsequenzen könnte ein solches Verbot für die Social-Media-Landschaft in Deutschland und weltweit nach sich ziehen?

Warum will die USA TikTok verbieten?

Datenschutz

Datenschutz ist einer der Aspekte, der im Zusammenhang mit TikTok weltweit für Diskussionen sorgt und in einigen Ländern bereits zu konkreten Verboten geführt hat. Die App sammelt eine Vielzahl von Daten ihrer Nutzer, darunter angesehene Inhalte, vergebene Likes und Informationen über die gefolgten Accounts. Was TikTok von anderen sozialen Medien unterscheidet, ist, dass private Nachrichten auf der Plattform nicht durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt sind, was das Potenzial für einen Zugriff durch das Unternehmen selbst eröffnet. Darüber hinaus erfasst TikTok auch Daten zum Nutzungsverhalten anderer Apps auf dem Gerät, um Werbung individueller auszurichten, ohne jedoch auf die Inhalte dieser Apps zugreifen zu können.

Ein besonders sensibler Punkt ist der In-App-Browser von TikTok, der dazu in der Lage ist, Nutzereingaben, einschließlich Nutzernamen und Passwörtern, zu speichern. Diese Praktiken werfen Fragen auf hinsichtlich dessen, wie und zu welchem Zweck TikTok diese Informationen nutzt oder speichert. Während die Datensammlung und -analyse von sozialen Medien generell dazu dient, personalisierte Inhalte und Werbung anzubieten und die Nutzerbindung zu erhöhen, fordert die umfassende Datenerfassung von TikTok Nutzer dazu auf, sorgfältig zu überlegen, welche Informationen sie mit der App teilen möchten. Diese Bedenken bezüglich des Datenschutzes haben in einigen Ländern zu besonderer Vorsicht oder sogar zu regulatorischen Eingriffen geführt.

Der Einfluss Chinas

Obwohl der Firmensitz von TikTok selbst in Singapur und den USA ist, ist TikTok’s Mutterkonzern, ByteDance, ansässig in Peking und verfügt über ein internes Komitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), das regelmäßig die politischen Leitlinien und Reden des Staatspräsidenten Xi Jinping studiert. Diese Verflechtungen werfen Fragen bezüglich des Einflusses der KPCh auf ByteDance und dessen Plattform TikTok auf, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und die potenzielle Überwachung durch den chinesischen Staat.

Diese Abhörbedenken haben bereits in zahlreichen Ländern dazu geführt, dass TikTok auf Diensthandys verboten wurde. Institutionen wie der US-Kongress, das Weiße Haus, Kanada und die EU-Kommission haben solche Verbote erlassen. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in Belgien und innerhalb des lettischen Außenministeriums getroffen. In Deutschland ist TikTok auf den Diensthandys der Bundesregierung ebenfalls nicht zugelassen.

Neben den Abhörbedenken gibt es auch Hinweise darauf, dass die chinesische Regierung Einfluss auf den Algorithmus von TikTok genommen hat, um bestimmte Inhalte zu fördern und andere zu unterdrücken. ByteDance wird insbesondere dafür kritisiert, Inhalte bezüglich der Umerziehungslager in Xinjiang gezielt zensiert und überwacht zu haben. Diese Einflussnahme auf den Inhalt und die Verbreitung von Informationen über TikTok spiegelt eine größere Strategie der KPCh wider, die mediale Darstellung und die öffentliche Wahrnehmung sowohl innerhalb als auch außerhalb Chinas zu beeinflussen.

Wie realistisch ist ein TikTok Verbot in den USA?

Ein Verbot von TikTok ist international durchaus möglich, wie Beispiele aus verschiedenen Teilen der Welt zeigen. Neben Indien, wo TikTok seit 2020 wegen Sicherheitsbedenken und geopolitischen Spannungen mit China verboten ist, und Taiwan, das die App auf Regierungsgeräten aus Sorge vor Desinformation und chinesischem Einfluss einschränkt, haben auch andere Länder Maßnahmen ergriffen. Afghanistan hat TikTok verboten, weil die Plattform laut den Taliban die Jugend in die Irre führt. In Jordanien wurde TikTok aus ähnlichen Gründen verboten, insbesondere nach Protesten und Unruhen im Land. Auch in Pakistan gab es vorübergehende Einschränkungen für TikTok, hauptsächlich wegen Bedenken hinsichtlich unangemessener Inhalte.

Auch wenn vereinzelt US-Bundesstaaten und lokale Regierungen ebenfalls versucht haben, ähnliche Verbote einzuführen, ist die Umsetzbarkeit in den USA komplizierter. Ein Beispiel ist Montana, wo ein Versuch, TikTok zu verbieten, von einem US-Bundesrichter blockiert wurde, was die rechtlichen und verfassungsmäßigen Herausforderungen solcher Verbote in einem Land mit stark verankerten Freiheitsrechten unterstreicht. Unter anderem deswegen zweifeln viele Expertinnen und Experten an der Durchsetzbarkeit eines Verbotes. Kritiker eines solchen Verbots, darunter Organisationen wie die ACLU, die sich für Bürgerrechte einsetzt, argumentieren mit der im ersten Verfassungszusatz garantierten Redefreiheit. Sie betonen, dass der Kongress nicht das Recht habe, ganze Plattformen zu zensieren und den Amerikanern ihre verfassungsmäßigen Rechte auf Redefreiheit und freie Meinungsäußerung zu entziehen. Aktuell sieht es jedoch stark danach aus, dass das Verbot tatsächlich kommen wird, da das Gesetz nun sowohl im US-Repräsentantenhaus als auch im Senat eine Mehrheit gefunden hat. Somit kann nur noch eine Verfassungsklage das Verbot realistischerweise stoppen.

Auswirkungen eines TikTok Verbotes in den USA auf die deutsche Social Media Landschaft

Zwar würde ein TikTok Verbot in den USA für die Plattform in Deutschland nicht das direkte Ende bedeuten, doch mit dem Wegfall von 170 Millionen Nutzern aus den USA würde sich der Content auf TikTok merklich verändern. Insbesondere der englischsprachige Content, der von vielen deutschen Fans geschätzt wird, könnte deutlich abnehmen. Prominente US-Influencer prägen die Plattform maßgeblich und tragen zu ihrer internationalen Beliebtheit bei. Ein Wechsel dieser Influencer auf andere Plattformen könnte daher auch die Nutzergewohnheiten in Deutschland beeinflussen.

Sollte TikTok in den USA verboten werden, ist davon auszugehen, dass die dortigen Nutzer und Creator sich neue Plattformen suchen. Dabei könnten etablierte soziale Medien wie YouTube mit „Shorts“ oder Instagram mit „Reels“, die bereits ähnliche Funktionen wie TikTok anbieten, an Beliebtheit gewinnen. Darüber hinaus könnten neue oder bislang weniger bekannte Apps wie Triller von einem TikTok-Verbot profitieren und an Nutzern gewinnen. Diesem Plattformwechsel würden sich wahrscheinlich auch eine erhebliche Anzahl der über 19 Millionen deutschen TikTok Nutzer anschließen.

Für die verbliebenden deutschen TikTok Nutzer könnte sich der Content stärker regionalisieren. Viele folgen bereits jetzt lokalen Creatorn, was durch die Plattform und ihre Algorithmen, die auf die IP-Adresse der Nutzer abgestimmt sind, unterstützt wird. Zwar würde der Wegfall amerikanischen Contents einen starken Verlust darstellen, doch die Plattform könnte in Deutschland durch die lokalen Inhalte und Creator weiter bestehen bleiben.

Fazit: TikTok’s Zukunft ungewiss, doch Kurzvideos werden bleiben.

Insgesamt ist die Zukunft von TikTok, insbesondere in den USA, also derzeit noch ungewiss. Da ein Verbot in den Vereinigten Staaten gerade intensiv diskutiert wird, ist das endgültige Schicksal der Plattform noch offen. Unabhängig vom Ausgang dieser Debatte steht jedoch fest, dass das Format der algorithmisch kuratierten Kurzvideos, das TikTok so populär gemacht hat, definitiv erhalten bleibt und weiterhin eine bedeutende Rolle in der digitalen Medienlandschaft spielen wird.

Sollte TikTok in seiner jetzigen Form Einschränkungen unterliegen oder gar verboten werden, ist davon auszugehen, dass ähnliche Formate auf anderen Plattformen wie Instagram Reels oder YouTube Shorts weiterhin erfolgreich sein werden und sich möglicherweise als neue Heimat für Fans und Creator von Kurzvideoinhalten etablieren werden.

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